Der größte spürbare Unterschied zwischen dem FC Bayern und allen anderen Vereinen der Republik liegt in der Anhängerschaft. In München fragt mich ein Franzose vor der Allianz Arena nach dem nächsten Taxistand, im Museum des FC Bayern dreht ein Ukrainer Tik-Tok-Videos. Diese Internationalität habe ich beim FC Liverpool und beim FC Barcelona ganz genauso erlebt, nicht aber in Stuttgart oder Köln und auch nicht in Dortmund. Dass es beim FC Bayern trotzdem noch eine tiefe Heimatverbundenheit gibt, erfahre ich kurz vor den Toren Münchens. In Freising wird der Global Player durch einen Weltmeister von 1990 zu einem Local Player, denn hier hat Hansi Pflügler seine Pension.
„Wir haben viele Stammgäste, einer kommt seit zwanzig Jahren zur Wies’n hierher“, sagt seine Mutter in tiefstem Obaboarisch. Sie nahm mich am späten Abend in Empfang, sie setzt sich am frühen Morgen zu mir, als ich beim Frühstücken bin. Heute sei mal nicht so viel los, aber durch die Uni und die Polizei könnten sich die Pflüglers nicht über Gästemangel beschweren. Die Schwierigkeit bestünde viel mehr darin, gutes Personal zu finden.
Die Pension Pflügler gibt es seit über 40 Jahren
Seit 1980 gibt es die Pension Pflügler, vorher betrieb die Familie eine Gaststätte und eine Metzgerei, der Vater war Schlachter. „Wir haben schon immer viel gearbeitet“, berichtet Mutter Pflügler. Ihre beiden Söhne – neben Hansi gehörte auch der ältere Bruder Karl zum Kader des FC Bayern – haben während der Fußballkarriere studiert. Das war alternativlos, wie Mutter Pflügler unmissverständlich klarstellt: „Fußballer, das ist auch kein Beruf“. Karl betreibt in Freising eine Steuerkanzlei, sein jüngerer Bruder ist dem FC Bayern treugeblieben: Er arbeitet als Merchandisebeauftragter für den Verein, mit dem er fünf Mal die deutsche Meisterschaft und drei Mal den DFB-Pokal gewinnen konnte.
Und mit Deutschland die WM 1990, bei der seine Mutter auch dabei war. Dadurch hat sie nicht nur mehr Länder gesehen als der Durchschnitts-Freisinger, sondern ist vermutlich im deutschen Fußball besser vernetzt als jeder Spielerberater. Hans-Dieter Flick ist „der Hansi“, Uli Hoeneß „der Uli“ und Frau Illgner jemand, der „perfekt Englisch spricht“. Während sich andere Menschen über solche Kontakte profilieren, ist ihr das offensichtlich völlig wurscht – es gehört halt zu ihrem bewegten und ereignisreichen Leben wie früher der Handball oder das Skifahren, denn Mutter Pflügler war selbst sportlich aktiv. Am Ende zeigt sie mir noch einen Gang neben dem Frühstücksraum, dort hängt ein Gemälde von Jupp Heynckes, Poster des FC Bayern und Pressefotos ihres Sohnes. Hier und da klafft eine Lücke: „Haben sie wieder eins gestohlen“, sagt sie, das käme öfters vor.
Als ich auf der Heimreise bin, entsteht in meinem Kopf der Bericht, der so ganz anders werden wird, als er eigentlich sollte. Ich wollte über die „Fußball-Arrangements“ schreiben, die die Pension Pflügler anbietet (zwei Übernachtungen für zwei Personen im Doppelzimmer inklusive Frühstück und dazu zwei Tickets beim FC Bayern), wie ich geschlafen habe oder ob mir das Frühstück geschmeckt hat. Darauf kommt es aber in Freising nicht an. Die Webseite der Pension verspricht „familiäre Atmosphäre“ und „bayerische Gemütlichkeit“ und die nehme ich die 500 Kilometer mit nach Hause. Allen voran ist der FC Bayern hier aber noch ein Verein und keine AG.
Anschrift: Pension Pflügler, Weihenstephaner Steig 1-3, 85354 Freising
Internet: pension-pfluegler.de















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