Poldis Döner, Köln

Die Werbung von „Werther’s Echte“ war früher meine Lieblingsreklame. Da saß ein hochdekorierter Kriegsveteran in seinem gemütlichen Fernsehsessel und erinnerte sich daran, wie er im Alter von vier Jahren von seinem Großvater ein Bonbon geschenkt bekam, das „süß und sahnig und unheimlich gut“ schmeckte. Nun gab er diese Tradition an seinen in Streifenpulli und Hemd gekleideten Enkel weiter, der so schwerfällig durchs Wohnzimmer lief, als wäre er selbst der Großvater.

So wie sich der Opa an sein erstes Werther’s Echte erinnerte, kann ich mich bis heute an meinen ersten Döner erinnern. Ich war 13 Jahre alt, wir waren bei Jugend trainiert für Olympia in Berlin und mein Kumpel Harry schenkte mir einen Reisepass ins Reich der saucengetränkten Fladenbrote. Dieser Döner war nicht nur mein Premierendöner. Dieser Döner war der beste meines Lebens!

Poldis Döner gibt es von Bergheim bis Bonn

Das könnte sich heute ändern, denn wir holen uns die Adoleszenz zurück, ziehen unsere Abercrombie & Fitch-Pullis an und werden zu hippen Foodbloggern, die einen von Lukas Podolskis Döner-Tempeln besuchen. In Köln und Umgebung (Bergheim, Bergisch Gladbach, Bonn) sind seit 2018 insgesamt neun Filialen aus dem Boden geschossen, wir wählen die in der Neusser Straße im Kölner Stadtteil Nippes. „Das Filet der Straße“ wird uns versprochen, „wir wollen nichts anders machen, nur besser“, heißt es auf mangal-lp10.de. Konkret bedeutet das: Das Brot ist selbstgebacken, der Salat extra frisch, das Fleisch von besonderer Qualität, die Saucen sollen mit dem gewisse Etwas punkten. Und die Seite klatsch-tratsch.de ergänzt: „Um dem Lukas Podolski Döner seinen besonderen Geschmack zu geben, wird er mit frischen Zutaten wie Minze und Zitronensaft verfeinert.“

Dass das Brot aus der eigenen Backstube kommt, erkennt man schnell: Die Laibe liegen in der Auslage und haben nichts mit den Standard-Fladenbroten zu tun, die man sonst so kennt. Beim Fleisch hat man die Wahl zwischen Kalb und Hähnchen, bei den Saucen kann man sich zwischen Tsatsiki, einer Cocktailsauce und einer scharfen Variante entscheiden. Der farbenrohe Salat ist hübsch angerichtet, kleiner gehobelt als in den Dönerläden meines Landstrichs und sieht knackig aus. Und weil man insbesondere an der guten, alten Fritte erkennen kann, ob das Einfache tatsächlich besser gemacht wird, bestellen wir uns die auch noch dazu.

Poldis Döner hat seinen Preis

Den ersten markanten Unterschied des Poldi Döners erkennen wir an der Kasse. Knapp über 21 Euro für zwei Döner und einen Teller Pommes haben wir noch nie bezahlt, hier langt mir der Mann, für dessen Rückkehr ich einst Poldi-Pixel kaufte, ganz schön in die Tasche. Aber auch aus gutem Grund? Und stimmt das Preis-Leistungs-Verhältnis in der Neusser Straße, in der es vom Wandbehang bis zu den schönsten Toren im TV nur so von Poldi wimmelt?

Bei den Pommes ist das nicht der Fall. Wir lieben Fritten, aber bei denen vergeht uns die Lust. Heiß sind sie, haben aber so viel Spannung wie das Herzkino im ZDF. Doch dann der Döner: Da bekommt die absichtslose Kuss-Szene aus der Hügellandschaft von Cornwall plötzlich eine ungehemmte Zügellosigkeit. Die Versprechungen der Webseite werden gehalten, der Döner ist zwar ne Spur zu klein, aber dafür einer der schmackhaftesten meines Lebens.

Den Poldi Döner gibt es auch im REWE

„Wir wollen den besten Döner Kölns machen“, sagt Poldi schließlich auch auf seiner Webseite. Die Chancen dafür stehen gut. Die um den teuersten Döner des Universums allerdings noch besser. Wer es ein klein wenig günstiger haben möchte, kann sich 200 Gramm „Filet der Straße“ als Tiefkühlprodukt für 3,79 Euro im REWE holen – allerdings nur in den Filialen im Rheinland. Die Mandal-Dönerläden dagegen soll es bald in mehreren deutschen Großstädten geben: „Die Vorbereitungen dafür laufen bereits“, sagte Poldis Partner Metin Dag im Mai 2021 dem Express.

Und während ich diesen Text fertigstelle, denke ich 30 Jahre weiter und an den hochdekorierten Weltmeister Lukas Podolski. Dann stelle ich ihn mir mit grauen Haaren und einer beigen Strickjacke in einem Fernsehsessel vor, seinen Enkel auf dem Schoß. Poldi wird vom besten Döner Kölns erzählen. Dem selbstgebackenem Brot. Dem würzigen Fleisch. Der geilen Sauce. Wie er den Dönerspieß das erste Mal zum Drehen brachte. Dann wird er dem kleinen Poldi einen Brocken Kalbsfleisch reichen und sagen: „Und was sonst wohl würde ich meinem kleinen Enkel geben als das Filet der Straße? Er ist nämlich auch was ganz Besonderes!“

Genauso wie sein Döner.

Anschrift: Mangal LP 10 Döner, Neusser Straße 217, 50733 Köln (Alle weiteren Filialen findet man auf der Webseite)

Internet: https://www.mangal-lp10.de/start

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