Eisenach ist eine Handballstadt, das war schon in der Vergangenheit so. Der THSV pendelt seit der Wiedervereinigung zwischen erster und zweiter Bundesliga (mit einem einjährigen Ausflug in die 3. Liga), der Vorgängerverein BSG Motor Eisenach belegt in der ewigen Tabelle der DDR-Handball-Oberliga den achten Rang, 23 von 27 möglichen Spielzeiten war man erstklassig, wurde 1956 und 1957 Vizemeister in der Halle und gewann 1958 den Meistertitel auf dem Feld.
Dass die Werner-Aßmann-Halle, die seit 1986 die Heimat der Eisenacher Handballer ist, direkt neben dem Wartburg-Stadion liegt und regelrecht auf die Fußballer herabblickt, ist wie ein Sinnbild. Zwar lief die Fußball-Abteilung der BSG Motor Eisenach zwölf Jahre in der zweitklassigen DDR-Liga auf, beim heutigen Kreisoberligisten FC Eisenach ist daran aber nicht zu denken. Manchmal, so bilanzierte die „Thüringer Allgemeine“ im Rahmen eines Spiels im März 2023, finden sich mehr Leute auf dem Feld als auf den Zuschauerrängen.
Eben jene Handball-Legende Werner Aßmann war es, die das 550 000 Mark teure Wartburg-Stadion am 19. Juni 1955 einweihte. Sechs Jahre waren seit der Entscheidung vergangen, dass Eisenach ein Stadion braucht. „Von den einst vier vorhandenen Sportplätzen waren nur noch zwei nutzbar, da Flächen als Gemüse- und Kartoffelacker benötigt wurden“, erklärt die Thüringer Allgemeine die Sportplatz-Situation in Eisenach nach dem Zweiten Weltkrieg.
Zur Einweihung des Wartburg-Stadions kam Besuch aus dem Westen
In den sechs Jahren zwischen Entschlussfassung und Eröffnung wurden die Probleme des sozialistischen Systems deutlich. Die Entstehung des Wartburg-Stadions ist untrennbar verbunden mit Geschichten von finanziellen Engpässen, Materialknappheit und bürokratischen Hemmnissen, von fehlenden Öfen im Stadiongebäude und von Schülern, Lehrern und Postmitarbeitern, deren freiwillige Hilfe im Rahmen des „Nationalen Aufbauwerkes“ zum Bau des Stadions benötigt wurde, wie Thomas Levknecht in seinem Artikel über den Stadionbau erläutert. „Schon in den frühen Morgenstunden bevölkerten tausende Menschen das Gelände der Katzenaue, um anlässlich des 1. Turn- und Sportfestes der feierlichen Namensweihe und den ersten sportlichen Wettkämpfen beizuwohnen“, schreibt er über den Tag der Einweihung, an dem 15 000 Interessierte gezählt wurden. Sie sahen eine 13:17-Niederlage der Eisenacher Handballer gegen den westdeutschen Vizemeister TuS Lintfort und einen 6:2-Sieg der BSG Motor Zwickau über die Fußballer der BSG Motor Eisenach.
Die hatten ihre beste Zeit zwischen 1962 und 1970, als sie acht Jahre ununterbrochen in der DDR-Liga spielten. „Tausende pilgerten regelmäßig ins Wartburg-Stadion“, erinnert sich die Thüringer Allgemeine, „Gegner waren Teams wie Dynamo Dresden, Lok Leipzig oder auch der FC Rot-Weiß Erfurt.“ Dem übermächtigen SC Motor Jena rang man 1964 vor 4 000 Menschen im Wartburg-Stadion im Rahmen des FDGB-Pokals ein 0:0 ab, fünf Jahre später sahen 1 600 Interessierte ein 0:0 in der FDGB-Pokal-Vorrunde gegen Chemie Leipzig. Auch vor und nach den goldenen Jahren zeigten sich die Eisenacher fußballbegeistert, in der Saison 1980/81 füllten 2 800 Besucher das Wartburg-Stadion im Derby gegen die TSG Ruhla, bereits 1958 wurde der SC Turbine Erfurt in einem Testspiel vor 4 000 Zuschauern bezwungen. Das DDR-Oberliga-Spiel auf neutralem Boden zwischen der BSG Motor Zwickau und dem SC Aufbau Magdeburg sahen im November 1961 8 000 Menschen.
1963 besuchte Sepp Herberger Eisenach. In der Stadt eine Beratung zur Aufstellung einer gesamtdeutschen Mannschaft zu den Olympischen Spielen 1964 in Tokio statt.
Auch bei internationalen Wettkämpfen gab das Stadion am Fuße der Michelskuppe eine gute Figur ab. 14 000 Zuschauerinnen und Zuschauer jubelten, als sich im September 1967 die beiden Olympiamannschaften der DDR und Ungarn duellierten und Klaus Sammer in der 90. Minute den 2:1-Siegtreffer für die DDR erzielte. 9 000 Besucherinnen und Besucher sahen im August 1971 in einem inoffiziellen Länderspiel einen 11:0-Erfolg der DDR über den Irak. Die Leichtathleten trafen u. a. im Juni 1963 und im Juli 1983 bei Länder-Wettkämpfen zwischen der DDR und der CSSR aufeinander, 1988 fanden die DDR-Meisterschaften im Bogenschießen im Wartburg-Stadion statt, das zu DDR-Zeiten bis zu 20 000 Menschen fasste und heute – nach dem Rückbau der eingefallenen einstigen Zuschauerränge – 4 520 Besucherinnen und Besuchern Platz bietet.
Nach der Wende spielten im Juni 1990 die Vertretungen von Dänemark und Nordirland in Eisenach gegeneinander, als die U16-Europameisterschaft in Thüringen ausgetragen wurde. Drei Jahre später sahen 2 700 Zuschauerinnen und Zuschauer einen 6:2-Testspielsieg von Borussia Mönchengladbach über die SV Wartburgstadt Eisenach. Die „letzte nennenswert große Kulisse“ registrierte die Thüringer Allgemeine am 29. November 2014, „als 1 620 Besucher eine 1:4-Niederlage des FCE gegen Lok Leipzig sahen“.
Als im Juni 2025 zum 70-jährigen Bestehen des Wartburg-Stadions die Traditionsmannschaft von Dynamo Dresden und eine Eisenach-Auswahl aufeinandertrafen, kamen gerade einmal 300 Besucherinnen und Besucher. Ein Sporttag, der zum Jubiläum ins Leben gerufen wurde, fand ebenso wenig Anklang – „Miserabel war die Resonanz beim Schaulaufen von Eisenacher Sportvereinen im Stadion, der Kegelhalle und im Aquaplex anlässlich des 70-jährigen Bestehens des Wartburg-Stadions“, bilanzierte die Thüringer Allgemeine.
Werner Seelenbinder wäre beinahe Namensgeber geworden
Teile des Wartburg-Stadions stehen heute unter Denkmalschutz. Die Toilettenanlage war bei ihrer Eröffnung als Provisorium gedacht, über 70 Jahre später erfüllt sie ihren Dienst noch immer. Die letzte große Sanierung fand 2010 statt, für 650 000 Euro wurden die Kugelstoß- und Speerwurfanlage, zwei Hochsprunganlagen, sechs Rundlaufbahnen und acht Kurzstreckenbahnen erneuert, Investitionen gab es zudem am und im Gebäude sowie an der Bewässerungsanlage. Die heute begrünte Gegengerade war bis 1999 betoniert, die gegenüberliegende Holztribüne mit ihren 139 Sitzplätzen ist, genauso wie der wunderschöne Stadionturm, der USP des Wartburg-Stadions.
Dass der scheinbar obligatorische Stadionname gar nicht so selbstverständlich war, erläutert ein Bericht der „Thüringer Allgemeinen“, der zum 60-jährigen Bestehen der Anlage veröffentlicht wurde. Der 1952 in Essen ermordete Kommunist Philipp Müller war als Namensgeber ebenso im Gespräch wie der 1944 hingerichtete Widerstandskämpfer Werner Seelenbinder.




























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- Anschrift
- Wartburg-Stadion, Sportpark 3, 99817 Eisenach
- Zugang
- frei zugänglich
Öffnet Google Maps – mit Auto, Bus & Bahn, Rad oder zu Fuß.






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