Skatbank-Arena, Altenburg

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Skatbank-Arena, Altenburg

Der Name, den die Skatbank-Arena vor ihrer Umbenennung im Jahr 2009 trug, passte so viel besser zu ihr: „Waldstadion“ hieß der Platz im Süden von Altenburg, der am Standrand gelegen vom Wald umzingelt wird. Und während man mit einer Arena etwas Neues und zugleich abgrundtief Grauenhaftes verbindet, den modernen Fußball powered by Coca-Cola oder, noch schlimmer, Red Bull, weckt der Begriff „Waldstadion“ bei vielen eine Sehnsucht an längst vergangene Zeiten. Ob bei Fans der Frankfurter Eintracht, in Kaiserslautern auf dem Erbsenberg oder bei Groundhoppern, die aus aller Welt ins thüringische Tiefenort pilgern, um dort das Kaffeetälchen zu besuchen, das offiziell den Namen „Waldstadion“ trägt.

Die Skatbank-Arena befindet sich im selben Bundesland wie das Kaffeetälchen, wenn auch am anderen Ende. Im Dreiländereck Thüringen-Sachsen-Sachsen-Anhalt gelegen, leben rund 31 000 Menschen in Altenburg. Bis nach Leipzig sind es 30 Minuten mit der S-Bahn, bis nach Erfurt dauert es viermal so lang. 1810 wurde in Altenburg das Skatspiel erfunden, weshalb der Name „Skatbank-Arena“ seine Berechtigung hat.

Die Skatbank-Arena wurde als Leninstadion eröffnet

Als das Stadion 1957 nach siebenjähriger Bauzeit mit einem Kreis-, Sport- und Kulturfest eingeweiht wurde, trug es den Namen Lenins. Zuvor wurde in der 1924 eröffneten Städtischen Kampfbahn an der Zwickauer Straße gespielt, das im Volksmund den Namen „Altes Stadion“ trägt. Auch die Oberliga-Jahre zwischen 1949 und 1952, als Altenburg als ZSG Altenburg bzw. BSG Stahl Altenburg in der höchsten Spielklasse der DDR antrat, fanden im Alten Stadion statt. Das Alte Stadion befindet sich in der unmittelbaren Nähe der Skatbank-Arena und gehört heute gemeinsam mit einem „hochmodernen, oberligatauglichen Kunstrasenplatz“ (Vereinswebseite) zum Stadion-Komplex des heutigen Kreisoberligisten.

Die besten Jahre des Altenburger Fußballs neigten sich mit der Eröffnung des Leninstadions – das Alte Stadion trug bereits seit 1950 den Namen des kommunistischen Revolutionärs – dem Ende zu. Nach dem Abstieg in die zweitklassige DDR-Liga verabschiedete man sich 1957 in die 2. DDR-Liga, 1960 sogar in die DDR-Bezirksliga. Die Rückkehr in die Zweitklassigkeit gelang 1976/77 und 1979/80 für jeweils eine Saison sowie von 1981 bis 1983 für zwei Spielzeiten. In der ewigen Tabelle der DDR-Liga belegt die BSG damit Rang 73, in der der DDR-Oberliga Platz 27. Als mit dem Bau des Stadions begonnen wurde, spielte Altenburg in der höchsten Spielklasse der DDR. Bei 50 000 Menschen, die seinerzeit in Altenburg lebten, war die Kapazität äußerst optimistisch ausgelegt.

Die Skatbank-Arena ist Thüringens größtes Stadion

Mit 25 000 Plätzen ist die Skatbank-Arena bis heute Thüringens größtes Stadion – ins Ernst-Abbe-Sportfeld in Jena passen 15 432 Menschen, ins Erfurter Steigerwaldstadion 18 599 Personen. Zweimal war das Stadion ausverkauft, einmal beim Endspiel um den FDGB-Pokal 1963, als die BSG Motor Zwickau mit 3:0 gegen die BSG Chemie Zeitz gewann, dann bei Deutschlands 2:1-Sieg mit Uli Hoeneß, Paul Breitner und Rolf Rüssmann gegen Spanien im Rahmen des UEFA-Jugend-Turniers 1969. (Es gibt durchaus widersprüchliche Angaben zu diesem Turnier: Im „Kicker“ vom 27. Mai 1969 ist nur von 15 000 Zuschauerinnen und Zuschauern die Rede, im Programmheft des Turniers wird das Fassungsvermögen mit 22 000 und das Jahr der Erbauung mit 1956 angegeben.)

Zu den Spielen der Altenburger Fußballer „pilgerten oft zwischen 5 000 bis 10 000 Zuschauer“ ins Leninstadion, wie die Vereinswebseite schreibt. Dabei konnten sie u. a. die ersten Schritte des späteren DDR-Nationaltorwarts Perry Bräutigam bewundern, der ebenso wie Bochums Trainer Uwe Rösler in Altenburg geboren wurde.

Auch im neuen Jahrtausend kamen vierstellige Besucherzahlen in die Skatbank-Arena

Nach der Wiedervereinigung, so Das große Buch der deutschen Fußballstadien, „erneuerte man Spielfeld, sanitäre Anlagen, Sozialtrakt und Stehtraversen“, der Neubau des Sozialtrakts erfolgte 2006. Ein Jahr danach feierte man das 50-jährige Jubiläum des Waldstadions vor 1 490 Zuschauerinnen und Zuschauern mit einem 1:6 gegen Sachsen Leipzig. Im August 2009 kamen rund 1 300 Besucherinnen und Besucher zum Kreisderby gegen den SV Schmölln, im Rahmen des Thüringenpokals strömten jeweils rund 3 500 Menschen zu den Spielen gegen Erfurt (2010) und Jena (2011), 2 500 waren es 2017, als der Gegner erneut Carl-Zeiss hieß.

Die Umbenennung in Skatbank-Arena im Jahr 2009 löste kontroverse Diskussionen aus. Wie Das große Buch der deutschen Fußballstadien ein Fan-Forum rezitiert, sei „ein Stück Altenburger Fußball-Tradition“ verkauft worden. In der Umfrage eines Altenburger Dynamo Dresden Fanclubs waren nur 15 Prozent für den Namen Skatbank-Arena, während 51 Prozent für Waldstadion und 37 Prozent(!) für Leninstadion votierten. Die Skatbank ist eine Direktbank und Niederlassung der Altenburger Volks- und Raiffeisenbank, die 50 000 Euro, die sich die Skatbank den Namen kosten ließ, flossen komplett in die Stadionsanierung.

Wie wichtig ist der Name eines Stadions überhaupt noch?

Zuletzt gingen die Anhängerinnen und Anhänger von Borussia Mönchengladbach auf die Barrikaden, denn in der kommenden Saison sehen sie die Spiele der Fohlen zum ersten Mal im „Ista-Borussia-Park“. Dabei stellt sich die Frage, wie sehr das den Fan überhaupt noch juckt, wenn er, wie einst in Wien, die Heimpartien im „Teddybären- und Plüsch-Stadion“ sehen muss. 11FREUNDE-Chef Philipp Köster sagte einst gegenüber der Süddeutschen Zeitung: „Wir dachten zum Beispiel, der Stadionname sei etwas, was man nicht anrühren darf“ – um dann festzustellen, dass er den Leserinnen und Lesern der Name gar nicht (mehr) so wichtig ist. Die dazugehörige 11FREUNDE-Ausgabe mit dem Titel „Woran wir uns gewöhnt haben“ erschien bereits im Juni 2007. Stephan Reich, mit dem Köster regelmäßig auf Lesereise unterwegs ist, hielt 2023 in DIE ZEIT Folgendes dagegen: „Vereinsname, Wappen, Farben, Stadion – das ist die heilige Vierfaltigkeit der Vereinsliebe, greift man in diese ein, berührt man die Fans in ihrem Innersten.“

Weniger streiten lässt sich über den Platz als solchen. Für diejenigen Fußball-Fans, die jenseits aller Namensdiskussionen Liebhaber schöner Stadien sind, gehört dieser wunderschöne, weitläufige Tempel mit seinen unzähligen Stehplätzen und seinem rauen Charakter unbedingt auf die Bucket List.

Anschrift: Skatbank-Arena, Zwickauer Str. 67, 04600 Altenburg

Internet: motor-altenburg.de/vereinsinformationen/skatbank-arena

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