Waldstadion Erbsenberg, Kaiserslautern

„Teufelsangst vorm Erbsenberg“ heißt das Buch von Werner Skrentny, das die Geschichte und Geschichten der Oberliga Südwest wiederbelebt. Der Titel, so das Vorwort, „steht für die Gastspiele des 1. FC Kaiserslautern beim proletarischen VfR in jenem dem Betzenberg so nahen Waldstadion Erbsenberg“.

Rund 500 Meter Luftlinie trennen die beiden Stadien, sportlich sind es – trotz der Talfahrt des 1. FC Kaiserslautern – inzwischen Welten. Das macht sich insbesondere an den Spielstätten der beiden Vereine bemerkbar. Dem rund 50 000 Menschen fassenden Fritz-Walter-Stadion steht ein etwas in die Jahre gekommener Platz mit einer traumhaft schönen Holztribüne gegenüber. Die stammt teilweise noch aus dem Jahr 1925 – und das, obwohl der VfR Kaiserslautern erst 1938 (nach den Zwischenstationen Eselsfürth und Wormserhöhe) auf den Erbsenberg zog.

Zum Eröffnungsspiel kam der Karlsruher FV ins Waldstadion am Erbsenberg

„Wegen der Errichtung von Kasernen auf der Wormserhöhe musste der VfR Kaiserslautern umziehen und nahm einen Teil der alten Holztribüne mit. Die wurde am neuen Spielort erweitert und mit einem Sandstein-Unterbau versehen“, erklärt das Buch Es war einmal ein Stadion. Zur Einweihung im August 1938 kam mit dem Karlsruher FV ein deutsches Top-Team ins Waldstadion.

Der Herbergsvater des Platzes, der VfR Kaiserslautern, entstand 1920 aus einer Fusion des FC Bayern 06 Kaiserslautern und der SpVgg 1910 Kaiserslautern. Ende der Zwanzigerjahre lief der VfR sogar eine Liga höher als der Nachbar vom Betzenberg auf. Von einer verbitterten Rivalität der Vereine kann aber nicht gesprochen werden. Während des zweiten großen Krieges spielten beide Klubs (für zwei Freundschaftsspiele) zusammen als Kriegsspielgemeinschaft Kaiserslautern, als die Franzosen den Betzenberg nach dem Krieg beschlagnahmten, erhielten die Roten Teufel auf dem Erbsenberg Asyl. Der große Fritz Walter stand 1949 (Teufelsangst vorm Erbsenberg: „Nur wohlwollend geduldet vom 1. FCK“) als Trainer an der Seitenlinie des VfR Kaiserslautern und führte sie in die höchste Spielklasse. „Fritz hatte immer einen guten Draht dahin“, sagt FCK-Experte Hagen Leopold und berichtet davon, dass Walter beispielsweise seine Verbindungen zu Adidas nutzte, um den VfR auszustatten.

Der Erbsenberg sah jahrelang erstklassigen Fußball

Mit dem Aufstieg folgte die erfolgreichste Zeit der Vereinsgeschichte. Mit zwei Ausnahmen (1958/59 und 1960/61) sah man auf dem Erbsenberg erstklassigen Fußball in der Oberliga Südwest und Derbys gegen den FCK oder den FK Pirmasens. Vereine, die wie der VfR Kaiserslautern ihre besten Zeiten erlebten, gastierten im Waldstadion, darunter der TuS Neuendorf, Borussia Neunkirchen oder Wormatia Worms. Dabei liest man im Zusammenhang mit dem VfR Kaiserslautern immer wieder von der „Willimowski-Elf“. Ernst Willimowski erzielte in der ersten Hälfte der Fünfzigerjahre 70 Treffer in 90 Partien für den VfR, mit 13 Toren in 8 Länderspielen gehört er zu den quotenbesten Torschützen der deutschen Länderspielgeschichte.

Für mich der größte aller Torjäger, ein Wunder im Ausnutzen von Chancen. Er erzielte mehr Tore, als er Chancen hatte.

Fritz Walter über Ernst Willimowski

Mit der Einführung der Bundesliga begann der allmähliche Abstieg des VfR. Mitte der Sechzigerjahre soll noch eine Fusion mit dem Nachbarn vom Betzenberg im Raum gestanden haben, als man in den Neunzigerjahren in der Kreisliga Kaiserslautern-Kusel-Donnersberg angekommen war, war sogar von der Auflösung der Fußballabteilung die Rede. Inzwischen hat sich der VfR Kaiserslautern rehabilitiert und spielt in der Landesliga.

Anschrift: Waldstadion am Erbsenberg, Erbsenberg 3, 67663 Kaiserslautern

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